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Pestizide - Herbizide - Insektizide - Fluch oder Segen?

Verantwortlicher Autor: Gabriele Maria Perklitsch Pubersdorf, 28.04.2019, 15:26 Uhr
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Wundermittel oder tägliches Gift?
Wundermittel oder tägliches Gift?  Bild: Gabriele Maria Perklitsch

Pubersdorf [ENA] Tägliche Giftcocktails? Betrachten wir dazu ein konkretes Beispiel: DDT – Dichlordiphenyltrichlorethan, wurde seit Anfang der 40iger Jahren als hoch wirksames Insektizid zur Schädlingsbekämpfung und als Wundermittel zur Vernichtung krankheitsübertragender Insekten in großen Mengen eingesetzt.

Es wurde damals als Wundermittel angepriesen. Damals propagierte man den harmlosen Umgang damit. Heute gilt es als Teufelszeug. Heute ist es auf der Liste der verbotenen Stoffe zu finden. Heute weiß man, dass das Mittel hochgiftig ist. Heute weiß man, dass es sich in der Umwelt anreichert und großen Schaden anrichtet. Kann man dies als fatalen Irrtum, zwar mit verheerenden Auswirkungen, aber ohne Lehren daraus zu ziehen, einfach so abtun? In den 50iger Jahren wurde DDT als echtes Wundermittel verkauft. Es galt als hochwirksam gegen Schädlinge und wurde großflächig auf Felder und Wälder aufgesprüht. Es galt als zuverlässig wirksam und quasi unbedenklich für Mensch und Tier. In der Forst- und Landwirtschaft war es das Wundermittel Nr. 1.

DDT wurde damals als weltweit am meisten eingesetzte Insektizid, als bedenkenlos zu verwenden, angepriesen. Es wurde auch in privaten Haushalten und Gärten, da als ungefährlich eingestuft, großzügig und unbekümmert verwendet. 1962 beschrieb die Biologin Rachel Carson in ihrem Buch, „Silent Spring“, das hohe Gefahrenpotential von DDT. Sie wurde dafür von vielen Seiten angegriffen und diffamiert. Die Industrie berief sich auf ihre eigenen Studien und wollte damit belegen, dass DDT weitgehend harmlos ist. Erst in den 70iger Jahren wurde das Ausmaß der Risiken weiter bekannt und das hochwirksame Insektengift in den westlichen Industrieländern mehr und mehr verboten. Schweden hat als erstes Land mit einem Verbot reagiert.

In Österreich wurde das Insektengift erst im Jahre 1992 verboten. Es dauerte also über 3 Jahrzehnte, dass dieses hochgiftige Insektizid auf der Liste der verbotenen Stoffe landete. Alles nur ein tragischer Irrtum? DDT wird Berichten zu Folge auch heute noch eingesetzt – vor allem in der Malariabekämfpung und in Ländern wie Indien und Nordkorea. Wenig bekannt ist, dass der Einsatz von DDT v.a. in der Landwirtschaft zum Auftreten von resistenten Insekten führte. Die Menge der Wirkstoffe wurde daher schrittweise immer stärker erhöht. Die Insekten dadurch weiter resistenter bis zu hochresistent. Die schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur sind gravierend und weit unterschätzt. DDT ist sehr langsam abbaubar und bioakkumulativ.

DDT wurden in Mengen und Abermengen weltweit in der Luft, im Boden und in sämtlichen Materialien, wie z.B. Holzschutz, verarbeitet, eingesetzt. DDT, das einstige Wundermittel wird heute als Teufelszeug bezeichnet. Zu Recht. Ja. Zu Recht. Es steht für uns Alle sehr viel auf dem Spiel. Damals wie heute. Unwissenheit schützt vor negativen Konsequenzen nicht! Beim derzeitigen Streit und laufenden Diskussionen um das Unkrautvernichtungsmittel „Glyphosat“ geht es deshalb auch um so viel mehr als nur um ein Pestizid. Wissen Sie, dass Glyphosat inzwischen das weltweit meist verkaufteste Pestizid ist? Wissen Sie auch, dass es schon länger unter Verdacht steht, wie einst DDT, bei Menschen Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen?

Aufklärung, Risikoanalysen und Erarbeitung von Alternativen sind heute wichtiger denn je! Darauf weist auch die „Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina“ hin. In einem Artikel über umweltverträglichen Pflanzenschutz hebt sie hervor, dass es noch immer große Forschungslücken gibt. Es ist essentiell wichtig, eine Weiterentwicklung der Risikoabschätzung und verbesserte Monitoringprogramme voranzutreiben, um die Pestizidbelastungen in Gewässern und im Boden genauer zu erfassen. Denn wir haben es jetzt schon mit Belastungen zu tun, die wir nicht mehr im Griff haben und es kommen immer neue Pestizide hinzu, deren Wirkungen und Wechselwirkungen noch niemand wirklich abschätzen kann.

Industrielle, Wissenschaftler, Politiker, Werbetreibende und jeder einzelne Konsument wird aufgerufen, genauer hinzusehen und jeden „Gifteinsatz“ zu hinterfragen. Kein Pestizid - Herbizid - Insektizid macht vor einem Einzelnen halt. Wir leben in einem komplexen Lebenssystem, für dessen Erhalt wir alle verantwortlich sind. Konrad Lorenz gibt zu bedenken: "Die Schädlingsbekämpfung durch Gifte kann unter Umständen für den Schädling von Nutzen sein, weil sie auf die Dauer nicht ihn, sondern seine Feinde vernichtet." Wir sollten Alternativen entwickeln und effektive Maßnahmen gegen diese enormen Belastungen im Ökosystem treffen. Aufklärung statt Verharmlosung. Aktive Politiker sind gefragt. Es geht um Gesundheit und Lebensraum von Generationen.

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